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Episoden-Webseite - TeRa.thema_001.03 - Minimalismus: Wasser sparen

In der dritten Episode der ersten Staffel TeRa Thema über den Minimalismus geht es darum, wie man Wasser sparen kann.


Thema: „Wasser sparen“. Eine Episode zum Wasser. 127l Wasser werden pro Kopf am Tag in Deutschland verbraucht. Allein ein Viertel davon fließt in die Toilette. Wie kann der Wasserverbrauch verringert werden? Warum sollte man das tun? Und was ist eine Trocken-Trenn-Toilette und wieso braucht die kein Wasser? Antworten gibts in dieser Episode.

Welche Probleme entstehen, wenn zu viele Menschen zu schnell Wasser sparen? Und warum könnte das überhaupt problematisch sein?
In dieser Episode gibt es viele Zahlen und ich habe mit dem Umweltbundesamt, mit dem Bundesgesundheitsministerium, mit der Stadt Mannheim und einer Ingenieurin ohne Grenzen gesprochen. Alles fürs Wasser. Viel Spaß!

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Episode Erstveröffentlichung Link Beschreibung
001.03 29.09.2022 MP3 In der dritten Episode der ersten Staffel TeRa Thema über den Minimalismus geht es darum, wie man Wasser sparen kann. Thema: „Wasser sparen“. Eine Episode zum Wasser. 127l Wasser wird pro Kopf am Tag in Deutschland verbraucht. Allein ein Viertel davon fließt in die Toilette. Wie kann der Wasserverbrauch verringert werden? Warum sollte man das tun? Und was ist eine Trocken-Trenn-Toilette und wieso braucht die kein Wasser? Antworten gibts in dieser Episode.

Welche Probleme entstehen, wenn zu viele Menschen zu schnell Wasser sparen? Und warum könnte das überhaupt problematisch sein? In dieser Episode gibt es viele Zahlen und ich habe mit dem Umweltbundesamt, mit dem Bundesgesundheitsministerium, mit der Stadt Mannheim und einer Ingenieurin ohne Grenzen gesprochen. Alles fürs Wasser. Viel Spaß!

Transkript

Korrektur

Im Podcast spreche ich am Ende von 37l Ersparnis am Tag und berechne daraus 26.000l im Jahr. Das ist falsch. Es sind 13.000l im Jahr. Rechenfehler…

Im Transkript korrigiert.

Hallo, ich bin Richard Mücke und Dein Tellerrand-Reporter.

Und dies ist Episode drei in der aktuellen Staffel Tellerrand-Reporter-Thema „Minimalismus“.

Heute gehts darum Wasser zu sparen.

In der vergangenen Folge „Dinge loswerden“ berichtete Axel Schneider von der Haushaltsauflösung nach dem Tod seiner Eltern. Und ich erzählte, wie Sina und ich unseren Haushalt aufräumen und ausmisten. Es gab einiges Feedback. Danke dafür.

Einige Zuhörer merkten an, dass sie sich mehr Mitreißen wünschen würden, also beispielsweise ein Interview mit einem sogenannten Messi oder stärkeres Mitnehmen und Anregen zum selbst ausprobieren.

Ich kann das sehr gut nachvollziehen und habe in vielen Diskussionen festgestellt, dass eine übertriebene oder - netter formuliert - deutlichere Darstellung auch sinnvoll sein kann, um überhaupt die Aufmerksamkeit für ein Thema zu bekommen.

Aber das bin nicht ich. Ich möchte nicht mitreißen und polarisieren oder Spannung durch ein Interview mit einem sogenannten Messi erzeugen.

Mein Ziel ist es zu informieren und zum Nachdenken anzuregen. Ich bin mir sicher, dass Du als Zuhörender selbst am besten weißt, ob Du Deine Wohnung ausmisten möchtest oder nicht. Aber den Impuls zum darüber Nachdenken… den gebe ich gerne.

Natürlich ist mir jedes Feedback herzlich willkommen. Also meldet euch weiter bei mir: direkt per Kommentar auf der Webseite tellerrand-reporter.de oder per Mail, Kurznacht usw. usf.

Und nun kommen wir zur neuen Folge hier auf dem Kanal.

Hinweis: Quellen zu von mir zitierten Aussagen in dieser Sendung findest Du auf der Episoden-Webseite auf tellerrand-reporter.de. Deine Podcast-App gibt in der Regel einen direkten Link dazu an.

Und eine Bitte an euch: die Produktion dieses Podcasts kostet mich echtes Geld. Und das nicht zu knapp. Für die Webseite und das Hosting der Folgen sowie die Veröffentlichung auf zahlreichen Plattformen zahle ich monatlich einen Fixbetrag. Die Anschaffung der Ausrüstung, also Mikrofone, Gerät für die Aufzeichnung, Speicherung und das Mischen der Mikros, Kabel und so weiter und so fort hat mich einmalig richtig viel Geld gekostet.
Aber: dieser Podcast soll werbefrei bleiben. Deshalb: wenn Dir der Podcast gefällt und Du mich unterstützen möchtest, dann findest Du meine Bankverbindung auf der Webseite tellerrand-reporter.de. Vielen Dank.

Ein Abo oder das Teilen einer Folge oder der Webseite hilft mir auch schon. Also gerne teilen und weitersagen. Danke.

Und nun gehts wirklich los…

-MUSIK-

Trinkwassernotstand in Hessen. Brände, Klimakrise, Dürre und Ernteausfälle. Wir brauchen Wasser zum Leben und gleichzeitig verschwenden wir wertvolles Trinkwasser bei jedem Klogang…

Aber ist das ein Problem?

In Schmitten, eine Gemeinde mit rund 9.500 Einwohner im Taunus, also in Hessen, wurde am 20. Juli 2022 der Trinkwassernotstand ausgerufen.
(Quelle: https://www.schmitten.de/rathaus-politik/veroeffentlichungen/nachrichten-aktuelles/trinkwassernotstand-ausgerufen/)

Und der Grundwasserspiegel sinkt. Eine deutschlandweite Erfassung aktueller Daten zum Grundwasserspiegel steht noch aus. Aber schon jetzt mehren sich die Meldungen fallender Grundwasserspiegel.

Und wo das Wasser fehlt, wächst die Gefahr von Waldbränden.

Im Sommer 2022 brennt es in Deutschland überdurchschnittlich häufig.
(Quelle: https://effis.jrc.ec.europa.eu/apps/effis.statistics/estimates sowie https://www.bmel-statistik.de/forst-holz/waldbrandstatistik).

Eine sehr anschauliche Wirkung der Klimaentwicklung.

Ein Artikel des Deutschlandfunks fasst die Wasserknappheit gut zusammen. Ich zitiere: „Dürre im Sommer wird es in Deutschland immer mehr geben – mit weitreichenden Folgen für die Wasserversorgung. Da sich Wetterextreme in Zukunft häufen werden, wird Wasserknappheit ein immer ernstes Thema. Die Regierung will mit einer Nationalen Wasserstrategie dagegenhalten.“
(Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/wasserknappheit-wassermangel-nationale-wasserstrategie-durre-in-deutschland-100.html)

Es zeigt sich also: Trinkwasser ist wertvoll und wird knapper.

Ich wills wissen und messe meinen Wasserverbrauch.

-O-Ton Klospülung, Händewaschen-

Für einmal Duschen brauche ich 17 Liter Trinkwasser. Das sind im Jahr rund 6.200 Liter.
Beim Händewaschen fließen ca. 1,6 Liter Wasser ins Becken, das wenigste davon hat meine Hände berührt.
Und einmal die WC-Spülung betätigen bedeutet 8 Liter Frischwasser in die Kanalisation zu jagen.
Die Waschmaschine braucht ungefähr 45l pro Waschgang und der Geschirrspüler kommt mit 10-15l pro Durchlauf klar.

Das ist schon jetzt eine Menge Wasser. Und viele Einsatzzwecke habe ich noch gar nicht betrachtet. Beispielweise Trinkwasser, Wasser fürs Kochen, Wasser für die Sachen, die ich per Hand spüle und der Kater und Pflanzen wollen auch versorgt werden.

Tatsächlich lag mein Gesamt-Verbrauch im Jahr bei 110 Litern Wasser pro Tag, also 40.150 Litern Wasser im Jahr. Das sind über 200 Badewannen voll Wasser.

Und damit liege ich noch rund 17 Liter unter dem Bundesdurchschnitt. Demnach liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser bei 127 Litern pro Tag.
(Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12353/umfrage/wasserverbrauch-pro-einwohner-und-tag-seit-1990/)

Ungefähr ein Drittel des Wassers verbraucht ein Haushalt in Deutschland für Baden, Duschen und die Körperpflege. Etwas mehr als ein Viertel des Verbrauchs fällt auf die Wasserspülung in der Toilette. Diese beiden Punkte zusammen entsprechen also knapp zwei Dritteln oder 63% des täglichen Wasserbrauchs. Viel Sparpotential…
(Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/wasserknappheit-wassermangel-nationale-wasserstrategie-durre-in-deutschland-100.html)

Daher mache ich den Test: wie viel Wasser kann ich sparen, ohne mich einschränken zu müssen?

Und den Anfang mache ich mit dem größten Posten meiner Verbrauchsliste: der Körperpflege.

Das bedeutet nicht, dass ich ab jetzt stinken werden. Aber ich versuche meinen Verbrauch an Wasser einzuschränken.

Beim Duschen kann ich meinen Verbrauch auf 6 Liter Wasser reduzieren, in dem ich mich nur kurz unter das Wasser stelle und nass mache. Einseifen und putzen erfolgt dann ohne laufendes Wasser. Anschließend kurz und gezielt abspülen. Einschränkend empfinde ich das nicht. Viel mehr erstaunt mich, dass ich zum Duschen nur noch wenige Minuten brauche.

Das sind 11 Liter weniger Wasser beim Duschen. Einfach so. Und einschränken muss ich mich deswegen nicht. Das sind im Jahr rund 4.000 Liter gesparten Wassers.

Eine kleine Anekdote dazu: dieses Jahr an der Ostsee war ich auf einem Campingplatz, bei dem das warme Wasser in der Dusche auf sechs Minuten limitiert war. Bei jedem Knopfdruck lief das Wasser 30 Sekunden lang. Ich war neugierig, wie viel Zeit ich benötigen würde, um mich so zu duschen,wie ich es gewohnt bin. Fertig geduscht war ich vor dem Ablauf der Zeit nach dem zweiten mal drücken - also nach weniger als einer Minute unterm fließenden Wasser. Erstaunlich.
Den Luxus fünf Minuten unter dem heißen Strahl zu stehen, gönnte ich mir dann aber trotzdem…

Auch beim Händewaschen kann ich Wasser sparen. In jedes Waschbecken kommt eine Schüssel. Diese fängt das Wasser beim Händewaschen auf und wird danach zum Einseifen der Hände benutzt. Also brauche ich nur noch Wasser, um die Hände gezielt abzuspülen.

Damit reduziere ich meinen Wasserbrauch von 1,6 Liter auf einen Viertel Liter, also eine Ersparnis von über 1,3 Litern Wasser bzw. über 80% zum vorherigen Verbrauch. Das sind rund 5.000 Liter weniger Wasser im Jahr.

Hierzu befragte ich das Bundesgesundheitsministerium: ist es problematisch, Wasser mehrfach zum Händewaschen zu benutzen? Die Antwort: „Die hygienische Wirkung des Händewaschens ist bei Wiederverwendung des Wassers nicht vergleichbar mit dem Händewaschen mit frischem Wasser. Wenn Wasser zum Händewaschen verwendet wird muss es Trinkwasserqualität haben. Bei der Wiederverwendung von Wasser ist das nicht der Fall. Dass selbstverständlich immer Seife benutzt werden sollte ist unter Hygienikern unumstritten. “

Damit kann ich nur bedingt etwas anfangen. Ist es jetzt schlecht, Wasser mehrmals zum Händewaschen zu nutzen oder nicht? Was ist die Gefahr dabei und wurde das untersucht?
Leider finde ich - trotz Recherche - keine Infos dazu und mache mit mir selbst aus: die Hände werden nach dem Waschen mit Trinkwasser aus dem Hahn abgespült. Befeuchten vorm Einseifen mache ich dagegen weiterhin mit dem bereits gebrauchten Wasser.

Hast Du Infos zu diesem Thema oder eigene Erfahrungen, die Du teilen möchtest? Dann schreib mir unter tellerrand-reporter.de. Danke.

Da wir - wie in Episode 2 in dieser Staffel beschrieben - die Küche ausgemistet haben und nur noch wenig Besteck und Geschirr verwenden, lohnt sich die Nutzung der Geschirrspülmaschine nicht mehr oder nur selten.

Wir spülen also von Hand. Und auch dafür nutzen wir eine Schüssel, in der wir das selbe Wasser mehrmals benutzen. Einseifen geht auch mit sogenannten Grauwasser, also Wasser, das nur leicht verschmutzt ist.

Die Waschmaschine - im Schnitt verbraucht eine aktuelle Maschine rund 45 Liter pro Waschvorgang - läuft jetzt konsequent erst, wenn die maximale Füllmenge an Wäsche erreicht wird. Auch hier sparen wir Waschgänge und damit Wasser.

Ein sehr großer Posten zum Wassersparen ist aber die Toilette. Und damit kommen wir zu Teil 2 dieser Episode. In diesem erzähle ich von unserem Umstieg vom WC zur Trocken-Trenn-Toilette… ein anrüchiges Thema? Ganz und gar nicht!

-MUSIK-

Weg vom WC - Alternativen zum Spülen mit Trinkwasser

-O-Ton Klospülung-

Das waren 8 Liter Trinkwasser, die durch mein WC geflossen sind.

WC steht für water closet bzw. Wasser Klosett und bezeichnet damit eine Vorrichtung und auch einen Raum zur Verrichtung der Notdurft - und die Nutzung von Wasser.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die Toilette mit Wasserspülung in Deutschland verbreitet. Sobald Wasseranschlüsse in den Häusern üblich wurden und die Kanalisation vorhanden war, wurde auch die Toilette mit Wasserspülung verbaut.

Die Vorteile einer Wasserspülung liegen auf der Hand. Geruch kann ab dem Spülvorgang nicht mehr entstehen - dem Siphon sei Dank. Das Siphon ist dieses U-förmige Knie unterm Waschbecken oder auch beim WC, in dem immer Wasser stehen bleibt und dadurch Gerüche nicht aus der Kanalisation ins Bad dringen können.
Neben dem Siphon entstand durch die Erkenntnis, dass Hygiene direkt mit Gesundheit zusammen hängt, der Bedarf an leicht zu reinigender Keramik im Sanitärbereich.

Diese beiden Technologien - also das Siphon und die Keramik - fanden zusammen und das Wasserklosett verbreitete sich.
(Quelle: https://www.baulinks.de/webplugin/2006/2049.php4)

Der Nutzen der modernen Toilette für die Hygiene und damit für die Gesundheit ist unbestritten.

Aber der Wasserverbrauch ist natürlich enorm. Wo vorher kein Wasser benötigt wurde, um die Notdurft zu verrichten, fließen nun viele Liter durch die Schüssel.

Ältere WCs verbrauchen noch in der Regel an die 15l je Spülvorgang. Moderne Toilette kommen mit 6l hin. Ganz moderne Toiletten sollen den Verbrauch auf 2l reduzieren.

Und das Wasser wird verbraucht - bei jedem Klogang. Egal, ob mit Start-Stopp-Taste oder einer Taste je nach Art des Klogangs - Wasser fließt davon. Wertvolles Trinkwasser.

Aber es gibt Alternativen…

-O-Ton Klospülung-

Ich frage mich: wie kann ich diese Trinkwasserverschwendung verringern? Und ich stoße auf die Trocken-Trenntoilette. Im folgenden nenne ich die Trocken-Trenn-Toilette mit ihrer Abkürzung TTT.

Eins vorab…

Ich habe viele Internetseiten über den Einsatz von TTTs gefunden, aber mit dem Einsatz als Ersatz fürs WC im Haus hat sich anscheinend noch niemand auseinander gesetzt. Zumindest in Deutschland. Wir stießen bei der Nutzung nämlich auf verschiedene Probleme und sammelten Erfahrungen. Und damit bietet dieser Podcast einen einmaligen Mehrwert: hier erfährst Du alles aus erster Hand. Was geht, was geht nicht und wie löst man welche Probleme…

-O-Ton: Streu, Plastiktüte, Urinkanister-

Eine Trocken-Trenn-Toilette benötigt kein Wasser - deshalb der Begriff „Trocken“ - und die Feststoffe, der Kot, wird vom Flüssigen, dem Urin, getrennt aufgefangen. Zwei Behälter. Keine Vermischung.

Warum macht man das - Trennen und Trocknen?

Salopp gesagt: damit es nicht stinkt.
Erklärt man das Prinzip, denken die meisten Menschen, dass eine TTT ganz schön stinken müsste. Aber das stimmt nicht. Kot stinkt nur, wenn er mit Urin in Kontakt kommt und nicht trocknen kann. Und Urin stinkt erst so richtig, wenn er mit Wasser in Verbindung kommt.

Die Natur hat bei Säugetieren und beim Menschen zwei verschiedene Ausgänge für Festes und Flüssiges eingerichtet.
Bei einer TTT wird dieses Konzept konsequent weiter gedacht: die Trennung von Fest und Flüssig wird auch nach dem Geschäft beibehalten.

Und so entsteht kein Gestank.

Wird so etwas wirklich eingesetzt?

Diese Art von Toiletten sind gar nicht neu. Neben den Chemietoiletten sind Trocken-Trenntoiletten im Wohnmobil-Bereich weit verbreitet.

Aber nicht nur dort: auf Gartengrundstücken stehen öfter Komposttoiletten. Ein ähnliches Prinzip.

Im Gegensatz dazu kennt vermutlich jeder den üblen Gestank von Plumpsklos oder Festival- bzw. Baustellen-Klos. Kein Wunder. Hier landet alles, also Urin und Kot, in einem gemeinsamen Behälter. Mit Chemie wird versucht, den Gestank zu minimieren. Chemie, die später das Abwasser stark belasten kann.

Warum also nicht einfach Trennen und damit die Probleme deutlich reduzieren?

Die Ingenieure ohne Grenzen haben sich genau das auch gedacht. Die Ingenieure ohne Grenzen sind eine gemeinnützige private und anerkannte Hilfsorganisation, die sich intensiv mit dem Bau von Trocken-Trenn-Toiletten beschäftigt. Beispielsweise in Gebieten ohne Kanalisation oder mit häufigen Überschwemmungen.

Unter dem englischen Begriff UDDT werden diese Toiletten zusammengefasst. UDDT hat mehrere Bedeutungen, wird aber häufig mit Urine-diverting dry toilet erklärt. In der englischen Wikipedia gibt es einen ausführlichen Artikel dazu.

Wir testen eine Trocken-Trenn-Toilette zu Hause…

Sina und ich überlegen nicht lange, als wir auf die TTT stoßen. Kein Wasserverbrauch mehr? Klingt super. Wird ausprobiert.

Aufbau

Im Baumarkt besorgen wir uns zwei Pflanzen-Eimer mit jeweils ca. 7 Liter Volumen. Der Vorteil: der Rand dieser Eimer ist umgebogen und damit Po-freundlich. Er tut nicht weh, wenn man sich drauf setzt.

Einen Eimer für die Feststoffe - dieser bekommt einen Müllbeutel eingelegt - und einen Eimer für Urin. Und ab diesem Tag nutzen wir diese einfachste Form der Trocken-Trenn-Toilette.

Im Laufe der Zeit optimieren wir unsere TTT und passen sie den Erfahrungen an. So ersetzen wir nach einiger Zeit den Urin-Eimer durch einen 20 Liter Kanister mit Trichter. Der kleine Eimer war nämlich meist nach einem Tage schon voll. Der 20 Liter Kanister reicht nun für uns beide ca. 3 bis 4 Tage.

Der Geruch - stehendes Urin fängt nämlich an zu müffeln - ist durch die kleine Öffnung im Kanister nun nur noch beim Wasserlassen selbst bemerkbar. Ein Vorteil gegenüber der großen Oberfläche beim Eimer.

Tatsächlich ist der Geruch beim Koteimer das kleinste Problem. Es riecht nicht. Wird der Kot nach dem Geschäft mit Einstreu bedeckt - wir nutzen dazu Holzstreu für Kleintiere bzw. Pferdeboxen - und der Eimer offen gelassen, damit die Feuchtigkeit im Kot verdunsten kann, dann entsteht fast kein Geruch. Auf jeden Fall und definitiv kein Gestank, wie man ihn von Plumpsklos oder diesen Baustellen-Toiletten gewohnt ist. Klar… durch die Trennung Fest von Flüssig kann dieser Geruch gar nicht erst entstehen.

Allerdings: sobald der Koteimer voll ist, haben wir bislang die Mülltüte verschlossen und in die Restmülltonne geworfen.
Im Hochsommer 2022 beginnt kurz darauf das Zeug fürchterlich zu stinken. Die Feststoffe können nicht mehr trocknen und bilden eine wunderbare Grundlage für Bakterien. Im Hochsommer ist das kaum aushaltbar und Fliegen zieht das auch an.

Nochmal und ganz deutlich: so lange der Koteimer offen steht, gibt es keine unangenehmen Gerüche. Erst mit der luftdichten Verpackung wird es problematisch.

Wir überlegen… wir kann man den Geruch nach der Entsorgung in den Restmüll verhindern? Ich spreche mit einer Firma, die sich auf den Vertrieb von TTTs spezialisiert hat. Aber auch dort kann man mir keine richtigen Tipps geben.

Wichtig sei die Trocknung des Kots und daher die Nutzung von Einstreu oder einer aktiven Lüftung. Eine Lüftung - sehr einfach mit Schlauch und einem PC-Lüfter umsetzbar - braucht nur wenig Strom und sorgt dafür, dass keine Gerüche entstehen und die Feststoffe trocknen können. Bei Nutzung einer Lüftung kann auf Einstreu verzichtet werden.
Aus baulichen Gründen bleiben wir beim Einstreu.

Es bleibt nur eine Möglichkeit: der Feststoffeimer muss immer bis kurz vor Abholung des Restmülls durch die Müllabfuhr offen stehen. Bei uns kommt die Müllabfuhr alle 14 Tage. Also muss unser Koteimer zwei Wochen für zwei Personen fassen können. Hochgerechnet bräuchten wir dazu ca. 25-30 Liter Volumen. Damit der Müllsack noch tragbar bleibt, besorgen wir zwei 20 Liter Eimer.

Und der erste Test zeigt: mit leichter Kompression - also dem Verdichten des Kot- und Streugemischs durch Druck mittels eines anderen Eimers - kommen wir ca. elf Tage weit mit einem 20 Liter Eimer. Die restlichen drei Tage überbrücken wir mit dem bisherigen 7 Liter Eimer.

Und wenn am Dienstag die Müllabfuhr kommt, schmeißen wir vorher beide fest verschlossenen Müllsäcke in die Tonne. Bevor der Geruch entstehen kann, ist das Zeug schon auf dem Weg zur Müll-Verbrennung.

Zusätzlich schaffen wir uns einen Mülleimer für das gebrauchte Klopapier an. Würden wir es weiterhin in den Koteimer entsorgen, bräuchten wir noch mehr Volumen.

Nutzung

Wir entwickeln unabhängig voneinander bevorzugte Methoden der Nutzung. Ich lasse den Koteimer in der Badewanne stehen - dort steht er aus Platzgründen. Der Urineimer kommt vorne dran. Hosen aus, über den Koteimer hocken und entspannen. Nach kurzer Zeit ist das Geschäft erledigt.

Sina dagegen uriniert vor dem Stuhlgang in den Kanister - sie hat sich dafür extra einen anatomisch passend geformten Trichter gekauft. Diese gibt es unter den Handelsnamen Urinella oder Pibella. Damit können Frauen im Stehen urinieren und den Strahl - wie Männer - lenken.

Anschließend setzt sie sich auf den Eimer, den sie auf den Boden stellt.

Da ich ein Mann bin und anatomisch in der Regel während des Stuhlgangs Harndrang habe, brauche ich dafür einen eigenen Urineimer, den ich vor den Koteimer stelle.

Danach schütte ich des Urin in den Kanister und gut ist. Eine bessere Lösung habe ich leider noch nicht gefunden.

Angemerkt sei - darauf gehe ich später noch ein - dass es fertige TTTs zu kaufen gibt. Bei diesen gibt es einen Sitz wie beim WC und die Trennung erfolgt durch zwei Öffnungen: Urin nach vorne, Feststoffe nach hinten.

Aber wir nehmen von diesen fertigen Lösungen Abstand. Sind sie doch zu teuer und es gibt sie nur in relativ kleinen Größen. Dadurch hätten wir sofort wieder das Lagerproblem der Kotmüllsäcke.

Entsorgung

Wir entsorgen die Feststoffe in einem verschlossenen Müllbeutel in der Restmülltonne. Das dabei entstehende Problem des Gestanks und unsere Lösung hatte ich bereits ausführlicher geschildert.
Der Trick ist: die Feststoffe müssen atmen können und kommen erst kurz vor Abholung durch die Müllabfuhr in den Restmüll.

Aber darf man denn überhaupt Kot im Restmüll entsorgen?
Für diese Sendung frage ich bei der Stadt Mannheim und dem Umweltbundesamt nach: kann Kot in Tüten hygienisch verpackt über die Restmülltonnen entsorgt werden? Die Stadt Mannheim bestätigt, dass dies problemlos möglich sei, solange keine Geruchsbelästigung entsteht. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass die Entsorgung von Feststoffen im Restmüll eine rechtliche Grauzone sei, aber analog zu Windeln von den Entsorgern in der Regel toleriert werde.

Da es speziell für Hundekot eigene Mülltonnen gibt und diese auch mit dem Restmüll abgeholt werden, gehe ich persönlich davon aus, dass wir unsere Feststoffe tatsächlich einfach und legal im Restmüll entsorgen können.

Und die Hygiene?

Trocken-Trenn-Toiletten sind genauso sauber und hygienisch, wie Wasser Klosetts. Während der Nutzung kann eine TTT sogar hygienischer sein - zumindest dann, wenn man hockt statt sitzt. Eine TTT benötigt keinen Spülknopf, der angefasst werden muss und auch eine Klobürste ist überflüssig. Das macht die TTT deutlich hygienischer, als ein WC.

Bei der Entsorgung der Fest- und Flüssigstoffe besteht natürlich eine gewisse Gefahr, sich zu verschmutzen. Daher sollte man immer Handschuhe tragen, wenn man die Müllbeutel verschnürt und entsorgt.
Allerdings ist das bei uns gar kein Problem - wenn die Müllsäcke groß genug sind, dann gibt es beim Verschnüren keine unangenehmen Situationen…

Da hat das Wasser Klosett einen Vorteil. Hier wirds erst unhygienisch, wenn die Toilette verstopft ist.

Tatsächlich verringert die klare Trennung von Urin und Kot viele hygienische Probleme, die nur deshalb bei einem Wasser Klosett nicht auftreten, weil dort eben viel Wasser benutzt wird, um das Problem wegzuspülen.

TTTs in Professionell

Bei den Ingenieuren ohne Grenzen kann man lernen, wie TTTs professionell umgesetzt werden können.

Ob Toilettensitze oder Hocktoiletten eingesetzt werden, ist ganz flexibel entscheidbar. Die sogenannte Nutzer-Schnittstelle - also Sitz oder Hocköffnungen - kann an den Bedarf angepasst werden. Auf jeden Fall wird Urin und Kot beim Geschäft getrennt, in dem die Öffnung für den Urin vorne und die für den Kot hinten liegt.

Kot wird in einer Kammer gesammelt und nach dem Geschäft mit örtlich vorhandenem trocknen Material, beispielsweise Blätter, Asche oder Holzstaub, abgedeckt. Urin läuft in Kanister.

Der Urin wird später mit Wasser verdünnt und als Dünger eingesetzt. Die Nutzung des Kotbehälters ist auf sechs Monate ausgelegt, danach wird der Kotbehälter verschlossen und weitere sechs Monate gelagert. In dieser Zeit trocknen die Feststoffe weiter, so dass am Ende gut getrocknete Feststoffe als Grundlage für Dünger verwendet werden können. Diese TTTs setzen also voll auf die Trocknung der Feststoffe. Von 85% Wasseranteil im frischen Kot reduzieren diese Einrichtungen den Wasseranteil am Ende auf ca. 25%.

Einige spannenden Zahlen, die von den Ingenieuren ohne Grenzen stammen: man rechnet mit durchschnittlich etwas über 8kg Feststoffen im Monat pro Nutzer des TTTs inkl. Abdeckmaterial und Klopapier. Darin enthalten ist bereist der Anteil des Wassers im Kot, der innerhalb von den maximal sechs Monaten Nutzung verdunstet.

Dabei setzen die Ingenieure ohne Grenzen eine Dichte von eins für frischen Kot ein, also 1kg Kot nimmt ein Liter Volumen ein.

Daraus ergibt sich: für die geplante Nutzung von sechs Monaten eines Kotbehälters benötigt man 50 Liter Volumen je Nutzender. Diese Zahlen decken sich aktuell nicht wirklich mit meinen eigenen Nutzungserfahrungen. Allerdings konnte ich bisher nicht systematisch erfassen, welche Mengen und welches Volumen bei uns so entsteht.
Klar ist aber, wir benötigen anscheinend mehr Volumen. Woran das liegt, kann ich noch nicht sagen.

Daher stehe ich aktuell in Kontakt mit den Ingenieuren ohne Grenzen. Updates zu diesem Thema folgen dann auf der Episoden-Webseite und in den nächsten Podcasts.

Allgemein gilt für TTTs:
es gibt sie auch für Städte, Hochhäuser und Wohnungen. Dabei sind diese Lösungen aber noch eher Randerscheinungen. Bislang sind Wasserklosetts ein Zeichen von Wohlstand und daher rege in Gebrauch. Und diese Einrichtungen werden nicht hinterfragt - der bereits angesprochene Peinlichkeitsfaktor verhindert das.

Was sind die Vorteile einer TTT?

Ich bin schon nach kurzer Zeit von den Vorteilen der TTT überzeugt und möchte es nicht mehr anders haben.

1. Kein Wasserverbrauch mehr
Natürlich entfällt der Wasserverbrauch beim Spülen. Es wird ja nicht mehr gespült. Je nach Klo sind das also in der Regel 6 bis 15 Liter pro Spülvorgang.

Oder andersrum: 27% des Wasserbedarfs im Haushalt gehen für die Toilette drauf. Das sind bei den 127 Litern, die am Tag pro Kopf in Deutschland verbraucht werden, über 34 Liter Wasser. Oder über 12.000 Liter im Jahr. Pro Kopf. Das ist ne Menge.

Kein Wasserverbrauch stimmt dann doch nicht ganz - alle paar Tage entsorgen wir den Urin im WC und spülen einmal. Geschätzt landen dann mit einem mal 30 Pipi-Gänge im Klo und damit verbrauchen wir statt 8 Liter je Pipi-Gang weniger als 0,3 Liter - eben 1/30 des bisherigen Bedarfs.

2. Unabhängigkeit von der Wasserversorgung
Wenn kein Wasser benötigt wird, ist man unabhängig von der Wasserversorgung. Die Wasserversorgung hängt heutzutage direkt mit der Stromversorgung zusammen. Denn Pumpen sorgen für den Druck in der Leitung. Ohne Strom keine Pumpen, also kein Wasser.

Bei einem länger anhaltenden Stromausfall - einem sogenannten Black out - wird also die Wasserversorgung zusammenbrechen. Keine Klospülung mehr. Schonmal erlebt? Macht keinen Spaß.

Die TTT benötigt weder Wasser noch Strom und ist durch diese Unabhängigkeit ein wunderbares Notklo im Haushalt. Aber sie kann auch als mobile Version auf Reisen eingesetzt werden.

3. Natürliche Hockhaltung und dadurch besserer Stuhlgang
Da war ich richtig überrascht… durch die Nutzung des Eimers für die Darmentleerung muss ich in die Hocke gehen. Und dadurch ist der ganze Vorgang deutlich angenehmer, schneller und sauberer, als in der sitzenden Position auf der Toilette. Tatsächlich.

Die ideale Position für die Darmentleerung ist die Hocke. Das hat mehrere Gründe, unter anderem ist der Darmausgang dann in einer geraden Position, was die Entleerung erleichtert.

Es gibt Studien dazu und im Tierreich hocken sich Säugetiere immer hin. Auch Urvölker hocken beim Stuhlgang.

Für mich jedenfalls ist es deutlich angenehmer zu hocken, als zu sitzen.

Wer das mal ausprobieren möchte, ohne gleich in einen Eimer machen zu müssen: stellen Dir einen Schemel oder eine Kiste unter die Füße bei der Sitzung, so dass die Beine deutlich angewinkelter sind, als beim Sitzen. Und? Besser?

4. Die mobile TTT schafft Autarkie
Dieses Jahr waren Sina und ich mit unserem PKW und Dachzelt auf großer Deutschlandrundfahrt. Und wir hatten eine mobile Variante der TTT dabei. Ein kleiner Eimer mit Deckel für Kot und ein 5 Liter Kanister für Urin. Statt den Kot länger zu sammeln wird nach dem Geschäft sofort der Müllbeutel verschlossen und bei nächster Möglichkeit in einem öffentlichen Restmüllbehälter oder Hundekotsammler geworfen.

Damit sind wir - auch ohne Nasszelle, wie man sie im Wohnmobil hat - unabhängig von öffentlichen Toiletten. Wir können jederzeit und fast überall aufs Klo gehen. Stehen wir auf halb öffentlichen Stellplätzen ohne sanitäre Einrichtungen, können wir ein sogenanntes Umkleidezelt aufbauen. Dort drinnen kann ungestört jeglichen Geschäften nachgegangen werden.

Und ganz unter uns: im Wald an der frischen Luft, unter dem rauschenden Blätterdach und mit Vogelgezwitscher das Geschäft zu erledigen… das ist einfach der Hammer!

Was sind die Nachteile einer TTT?

Wir haben einige Dinge gelernt und mussten unsere TTT an die Erfahrungen anpassen. Was genau, das erfahrt ihr hier…

1. Geruch
Ich hatte ja bereits das Problem mit dem Gestank erklärt: sobald die Müllbeutel des Koteimers verschlossen werden, bildet sich ein unsäglicher Gestank. Die Lösung war es, die Kotmüllbeutel erst kurz vor der Abholung durch die Müllabfuhr zu verschließen und in die Restmülltonne zu werfen.

Urin müffelt nach einiger Zeit. Durch Einsatz eines großen Kanisters mit einem kleinen Einfüllloch und eines Trichters konnten wir erreichen, dass der Geruch nur noch beim Wasser lassen feststellbar ist. Davor oder danach nicht mehr.

Damit ist dieser Punkt hier bereits abgehakt.

2. Einstreu
Anstelle von Wasser benötigen wir nun Einstreu. Wir nutzen Holzspäne, wie sie für Kleintiere oder Pferde benutzt werden. 20 Kilo kosten ca. 14€ und reichen viele Wochen.

Ob sich das preislich lohnt, muss ich mal ausrechnen, wenn das Streu verbraucht wurde. Hier zählt meiner Meinung nach aber der ökologische Aspekt durch den deutlich geringeren Holzverbrauch gegenüber dem hohen Wasserverbrauch eines Wasser Klosetts.

3. Gästeaufklärung
Wer bei uns das Bad benutzen möchte, wird den Urinkanister nicht mehr übersehen können. Den Koteimer muss man zwar aktiv suchen, aber auch dieser steht offen im Bad.

Gäste dürfen bei uns natürlich die normale Toilette benutzen. Ihnen fällt aber unsere Toilettenlösung auf und das könnte für Fragen bzw. Irritationen sorgen. Der Klogang ist häufig mit Peinlichkeit behaftet und alles, was nicht alltäglich ist, kann auf verzerrte Ablehnung stoßen.

Wir sprechen drüber mit unseren Gästen, erklären unsere Gründe und in Zukunft verweisen wir auch auf diesen Podcast.

4. Konfrontation mit den Hinterlassenschaften des Partners
In der Partnerschaft gibt es in der Regel weniger Tabus, als gegenüber anderen Menschen. Aber trotzdem ist es nicht alltäglich, sich mit den Hinterlassenschaften des Partners konfrontiert zu sehen.

Dass der Partner pupst und aufs Klo geht, ist sicherlich bekannt. Aber in den selben Eimer oder Kanister zu pinkeln, in den selben Eimer zu defäkieren und später sich um die Entsorgung zu kümmern, ist nochmal eine kleine Überwindung.

Nachdem wir anfingen Streu zu benutzen und nach kurzer Eingewöhnung ist das gemeinsame Benutzen eines Koteimers kein Problem mehr. Gar keins. Durch das Einstreu sieht man nichts von den Geschäften des anderen und es duftet eher nach Holz - auf keinen Fall jedoch unangenehm.

Ich persönlich empfinde die gemeinsame Umsetzung der TTT sogar als Bereicherung - weil wir zusammen mit diesem Tabu-Thema offen umgehen und dadurch erst in der Lage sind, gemeinsam über 24 Tausend Liter Wasser im Jahr einzusparen.

Wenn das die kurze Phase der Gewöhnung nicht wert ist, was dann?

5. Stadtentwässerung und Hygiene
Ich wollte es genau wissen und habe daher mehrere Stellen zum Thema befragt.

Ich frage das Umweltbundesamt sowie die Stadtentwässerung Mannheim nach möglichen Problemen, wenn die Toilettennutzung drastisch zurück geht. Denn dann fehlt ja Wasser, das durch die Abwasserrohre hin zur Kläranlage fließt.

Und das Umweltbundesamt bestätigt: die Kanalisation in den Städten ist an die erwartete Menge an Abwasser angepasst. Fließt weniger Wasser durch die Rohre, weil statt eines WCs nun eine TTT benutzt wird, kann es notwendig werden, dass die Stadtentwässerung die Abwasserrohre gezielt spülen muss - mit Trinkwasser. Und damit würde der Spareffekt verpuffen.

Die gesamte Aussage des Umweltbundesamt gebe ich auf der Episoden-Webseite wieder. Schau rein…

Die Stadtentwässerung Mannheim geht ausführlich auf mehrere Problemfelder ein. Zum einen verweist sie darauf, dass Spülfahrzeuge ggf. öfter eingesetzt werden müssten, wenn weniger Wasser durch die Abwasserrohre fließt. Die Stadt Mannheim hat dafür inzwischen drei Spezialspülfahrzeuge in Betrieb, die kein frisches Trinkwasser benötigen. Dennoch zusätzlicher Aufwand.

Aber es gäbe ein weiteres Problem - ich zitiere: „Würden jedoch die menschlichen Ausscheidungen – vor allem der Kot – im Abwasser fehlen, dann hätte das Folgen für die Abwasserreinigung im Klärwerk. Der Kot ist eine Quelle für den organischen Kohlenstoff welcher notwendig ist, um andere Nährstoffparameter wie den gebundenen Stickstoff in der Kläranlage zu entfernen. Fehlt dieser organische Kohlenstoff müssen die Reinigungsprozesse in der Kläranlage verändert werden. So müssten organische Stoffe wie Alkohole, Zuckerreste, usw. zudosiert (beschafft) werden, um den vorgeschriebenen Stickstoffabbau im Abwasser sicher zu gewährleisten. Dies ginge mit höheren Reinigungskosten und einem größeren CO2 – Fußabdruck einher.“ (Quelle: Antwort auf meine Anfrage bei der Stadtentwässerung Mannheim).

Ich schließe aus diesen Aussagen, dass es durchaus problematisch wäre, wenn unzählige Haushalte in einer Stadt plötzlich drastisch Wasser sparen würden. Darauf sind die Kanalisationen nicht ausgelegt.

Aber wenn nur ich Wasser spare, wird die gesparte Menge nicht relevant für die Kanalisation sein.

Daraus folgt aber die berechtigte Frage:

Nützt es überhaupt etwas, wenn ich Wasser spare?

Wenn sich meine persönliche Sparsamkeit nicht auf die Kanalisation auswirkt, trägt sie dann überhaupt zur Verbesserung der Grundwassersituation bei?

Ich gehe davon aus, dass ich durch das offene Ansprechen dieses Themas und meine Ressourcenersparnis eben doch ein ganz klein wenig dazu beitragen kann, dass gerade beim verschwenderischen Wasserverbrauch alte Muster durchbrochen werden. Meine persönliche Ersparnis rettet nicht die Welt, aber wenn ich durch Ansprechen dieses Themas dazu beitragen kann, dass langfristig mehr Menschen Wasser sparen und sich die Städte langsam baulich daran anpassen können, dann hat es sich doch schon gelohnt. Aufmerksamkeit muss her.

Daher sparen wir Wasser und sprechen darüber.

Nebenbei spare ich persönlich auch Geld bei der Wasserabrechnung. Aktuell kostet ein Kubikmeter Wasser im Durchschnitt in Deutschland mit Abwasserkosten ca. 5,30€. Überschlagen sollte ich im ersten Jahr zw. 100 und 150€ sparen. Tendenz steigend, da Wasser auch teurer wird.

6. Platzproblem
Ein Koteimer, ein Urinkanister, ein Streubehälter und ein Mülleimer für Klopapier… das benötigt alles Platz. Unser Bad ist so klein, dass wir tatsächlich stapeln müssen. In der Badewanne steht der Kloeimer und muss immer hin und her gehoben werden. Der Urinkanister steht neben dem Waschbecken. Das Streu hinter der Tür und der Klopapiereimer auch noch irgendwo.

Schön und praktisch geht anders. Aber so ist das zur Zeit. Hier würde ich das nächste mal auf ein größeres Bad achten.

Eine Trocken-Trenn-Toilette selbst ausprobieren

Du bist neugierig geworden und möchtest selbst eine TTT ausprobieren? Oder Du möchtest autark auch ohne Chemietoilette im Wohnwagen sein? Oder suchst Du für Deine PKW-Reise eine Art Notklo?

Dann habe ich das richtige für Dich. Die Trocken-Trenn-Toilette in „verdammt einfach“-Umsetzung.

Die Anleitung und Fotos findest Du auf tellerrand-reporter.de.

Hier sei nur angemerkt:
es gibt fertige TTTs im Handel zu kaufen. Die dort gebotenen Klos sind komfortabler, kompakter und sehen cooler aus, als die von mir beschriebene sehr einfache Umsetzung mit Eimern und Kanistern. Sie sind aber auch deutlich teurer und unflexibler. Die Eimergrößen sind uns zu klein, wodurch wieder die Lagerungsproblematik bis zur nächsten Restmüllabholung entsteht.

Weiterhin gibt es auch Selbstbaukits.

Das war Teil 2.
In Teil 3 spreche ich den Wasserfußabdruck an - ein spannendes und komplexes Thema. Auf jeden Fall wird hier in den Medien häufig unreflektiert mit riesigen Zahlen hantiert. Ich kläre kurz auf…

-MUSIK-

Nachdem ich mich in dieser Sendung mit dem eigenen Haushalt und meinen persönlichen Wassersparmöglichkeiten befasst habe, blicke ich nun auf das große Ganze.

Analog zum CO2-Fußabdruck kann man von einem Wasserfußabdruck sprechen. Damit ist der eigene Verbrauch von Wasser im gesamten Lebenskontext gemeint. Es fließen also auch der indirekte Wasserverbrauch mit ein, beispielsweise das Wasser, welches bei der Herstellung von Konsumgütern benötigt wird.

Der Wasserfußabdruck wird vom Umweltbundesamt ausführlich erklärt - den Links findest Du auf der Episodenwebseite auf tellerrand-reporter.de. Wer über den Wasserfußabdruck spricht, muss sich mit den dort genannten Kategorien „grünes Wasser“, „blaues Wasser“ und „graues Wasser“ auseinandersetzen. Auch Wikipedia erklärt diese Unterschiede genauer: wikipedia.org.

Genau das ist das Problem: es geistern immer wieder riesige Zahlen durch die Presselandschaft. Ein Kilogramm Rindfleisch würde über 15.000 Liter Wasser benötigen, bis es fertig ist.

Hierbei werden verschiedene Wasserquellen vermischt. Beispielsweise fließt der Regen, der auf Felder mit Futter für die Rinder fällt, mit in die Berechnung hinein. Es handelt sich also mitnichten um 15.000 Liter Trinkwasser, sondern um eine Zusammenfassung der oben angesprochenen Wasserarten. Ich verlinke auf der Episoden-Webseite einen Artikel zu diesem Thema, der diese Zahlen kritisch hinterfragt. Tatsächlich entsprechen über 93% der 15.000 Liter eben Regenwasser, das auf die Anbauflächen fällt. Es bleiben also etwas über 1.000 Liter, die nicht Regenwasser sind. Damit klingt die Zahl schon anders.

Mai Thi Nguyen-Kim1) von dem wissenschaftlichen Videokanal maiLAB hat ein spannendes Video zum Thema "Retten Veganer die Umwelt?" gemacht. Dabei geht es auch um die spannende Frage, wie sich das Halten und Schlachten von Tieren auf die Umwelt auswirkt und ob sich im Vergleich bei einer veganen Ernährung Treibhausgase einsparen ließen. Ich kann dieses wunderbare nicht weite rzusammenfassen, aber kurz gesagt sei: das Thema ist vielschichtig und mitnichten so einfach, wie man in der Regel denken würde.

Den Link zum Video gibts auf der Episoden-Webseite zu dieser Sendung.

Auch die Produktion von Konsumgütern benötigt viel Wasser. So sollen bei der Herstellung eines Smartphones über 900 Liter Wasser benötigt werden. Auch hier fließen verschiedene Arten von Wasser in das sogenannte „virtuelle Wasser“ zusammen.

Ich kann und will nicht in dieser Sendung die Feinheiten der Berechnung eines Wasserfußabdrucks hinterfragen und erklären. Daher verweise ich auf die bereits genannten Quellen.

Aber ich kann zusammenfassen: natürlich fällt bei der Produktion von Fleisch, Waren, Klamotten, Smartphones usw. usf. viel Wasser an, welches verschmutzt wird oder beispielsweise für den Wuchs von Pflanzen benötigt wird.

Behalte ich mein Smartphone länger, mache ich nicht jeden Modetrend mit oder leiste ich mir nicht alle paar Jahre einen Neuwagen, so spare ich natürlich Wasser.

Das steht außer Frage. Also kann ich auch hier durch weniger Konsum dazu beitragen, dass Wasser gespart wird.

Zusammenfassung

Wasser wird knapper. Das ist Fakt. Sparen ist also eine schlaue Idee.

Ich habe verschiedene Möglichkeiten ausprobiert. Wie viel ich am Ende tatsächlich einsparen kann, kann ich erst in ein paar Monaten verlässlich berechnen. Aktuell sieht es aber so aus, als könnte ich meinen Wasserverbrauch ohne mich einschränken zu müssen, um ca. ein Drittel oder rund 37 Liter am Tag reduzieren. Das entspricht über 13 Kubikmetern Wasser - also über 13.000 Liter weniger. Ohne Einschränkung.

Wie immer gilt dabei: Eile mit Weile. Würde alle Menschen von heute auf Morgen ein Drittel Wasser sparen, dann müssten die Städte die Abwasserrohre mit Trinkwasser spülen und die Kläranlagen hätten ein Problem. Also auch keine wirklich schlaue Lösung.

Daher werde ich persönlich einfach so viel Wasser sparen, wie es mir sinnvoll und ohne schmerzhafte Einschränkung möglich ist. Der Rest muss sich ergeben. Und drüber quatschen - das ist immer gut. Das Thema ansprechen und andere Menschen dafür sensibilisieren.

Die Trocken-Trenn-Toilette hat einen sehr großen Teil in dieser Sendung eingenommen. Dies ist meine persönlichen Faszination geschuldet. Eine TTT ist spannend, einfach umsetzbar, sehr praktisch und bietet so viele Vorteile, dass ich gar nicht verstehen kann, wieso sie so wenig verbreitet ist. Daher quatsche ich auch darüber. Und als überzeugter Sitzpinkler macht es Spaß, wieder im Stehen pinkeln zu können. Der Kanister ist in optimaler Stehhöhe.

Vielleicht hast Du auch schon Ideen, wie Du Wasser sparen kannst, ohne Dich einschränken zu müssen. Es sind nur kleine Änderungen nötig, um Wasser und damit auch Geld zu sparen. Solltest Du Interesse an der Trocken-Trenn-Toilette haben, dann schau auf die Episoden-Webseite. Dort findest Du Fotos und Beschreibungen.

Viel Erfolg.

Und wenn Du etwas loswerden möchtest zu dieser oder anderen Sendungen von mir, dann schreibe mir. Ich freue mich über jedes Feedback. Besonderes Interesse habe ich natürlich an Deinen Ideen zum oder Erfahrungen mit dem Wassersparen. Also melde Dich gerne.
Danke.

Ich bin der Tellerrand-Reporter Richard Mücke und das hier war Episode drei der Staffel Minimalismus.

Produktion: 2022, Richard Mücke, Tellerrand-Reporter

Musik: Gerd (Elysis) Raudenbusch

Auf Wiederhören.

Links, Quellen usw. sind im Transkript direkt angegeben.

Beschreibung und Fotos zur Trocken-Trenn-Toilette

Urin


Der Urin-Kanister mit 20l Fassungsvermögen und Trichter.


Vor dem Entleeren wird der Auslaufhahn aufgeschraubt. Dieser hat eine separate Belüftungsöffnung.


Zum Ausleeren reicht es, den Kanister aufs Klo zu stellen und den Auslaufhahn zu öffnen…

Kot


Einstreubehälter und das 20kg-Paket Einstreu.


Der Kot-Eimer mit 20l Fassungsvermögen.

Mobiles und Not-Klo

Für unterwegs auf Reisen und für Notfälle zu Hause, wenn die Wasserver- und -entsorgung nicht mehr funktionieren sollte, reicht das mobile Klo aus

Dazu benötigst Du:

  • Einen kleinen Urin-Kanister, z.B. 5 Liter. Wir nutzen einen Kanister, in dem destilliertes Wasser verkauft wurde.
  • Einen Trichter bzw. für die Damen eine Art Urinella, also ein anatomisch korrekt geformter Trichter, damit Frauen im Stehen urinieren können
  • Eine Stofftasche für den getarnten Transport des Kanisters
  • Einen kleinen Kot-Eimer, z.B. 7 Liter mit angenehmen Rand - hierbei eignet sich ein Pflanzeneimer mit flachem Rand, wenn möglich mit Deckel (für die mobile Variante).
  • Passende Müllbeutel für den Koteimer
  • Ggf. Rohrdämmung aus dem Baumarkt für den Rand des Koteimers

Für die mobile Version auf Reisen sollte der Koteimer einen Deckel haben. Nach dem Geschäft wandert der Kotmüllbeutel gut verschnürt im Eimer. Deckel drauf und der Geruch kommt nicht ins Auto. Klopapier wird direkt im Eimer entsorgt.

Entsorgung des Kotbeutels kann dann im öffentlichen Restmüll bzw. auch in Hundekotsammlern erfolgen.

Der Urinkanister kann mittels Stofftasche getarnt in einem öffentlichen Klo entleert werden.

Achtung: wenn Du während des Stuhlgangs urinierst (sollte bei den meisten Männern so sein), dann brauchst Du ggf. einen zusätzlichen Eimer, um dieses Urin sammeln zu können. Hinten der Eimer für Kot, vorne der Eimer für Urin. Urin anschließend in den Kanister umfüllen. Wenn Du beim Kauf auf die richtigen Größen achtest, kannst Du evt. gleich den Kanister benutzen und sparst Dir den Umweg über einen Zusatzeimer.


Der mobile Urin-Kanister.


Der mobile Kot-Eimer verschlossen.


Der mobile Kot-Eimer einsatzbereit mit Po-Polsterung.

Umstieg auf eine TTT zu Hause

Du willst es wissen und komplett vom WC auf eine TTT umsteigen? Dann brauchst Du folgende Dinge:

  • Einen großen Koteimer, z.B. 20l aus dem Baumarkt
  • Zum Eimer passende Müllbeutel, z.B. 35l-Müllbeutel
  • Einstreu, z.B. Holzspäne. Die 20kg-Pakete gibt es beispielsweise bei Pferdesportläden oder bei Raiffeisen
  • Einen großen Kanister für Urin
  • Einen Trichter
  • Eine Urinella für Frauen
  • Einen Mülleimer für Klopapier mit passenden Müllbeuteln

Vor der ersten Benutzung des Koteimers solltest Du den Boden mit Streu bedeckten. Umso leichter trocknet der Kot.

Den Trichter für den Urin-Kanister habe ich mittels Seil am Griff des Kanisters befestigt.

Wir füllen immer etwas Streu um in ein kleines Gefäß. So kann man das Streu direkt zum Koteimer bringen.

Wenn der Urinkanister voll ist, schraube ich den Deckel mit Auslaufhahn auf und schleppe das Teil zum WC. Entleerung dann über den Hahn. Dieser hat einen separate Luftrückführung, so dass es beim Ausgießen nicht zu stoßweiser und damit spritzender Entleerung kommt. Manche Kanister haben dazu einen zweiten, kleinen Deckel. Wenn dieser beim Ausgießen geöffnet wird, kann dort Luft einströmen und so einen gleichmäßigen Auslauf ermöglichen.

Anschließend Spülen und fertig.


Urin-Kanister mit Trichter und rechts daneben der Klopapier-Mülleimer. Das schwarze etwas auf dem Kanister ist der angesprochene anatomisch geformte Pinkel-Trichter von Sina.


Der Kot-Eimer mit 20l Fassungsvermögen.

Antwort des Umweltbundesamtes

Auf meine Anfrage schrieb das Umweltbundesamt:

Bei den weit über 9000 Kläranlagen und zugehörigen Kanalnetzen in Deutschland lassen sich generelle Aussagen zum spezifischen Wassersparen in Haushalten nicht ohne Weiteres vornehmen. Abwasserkanäle sind auf den Durchsatz bestimmter Abwasservolumina geplant. Das sind langfristige Entscheidungen.

Grundsätzlich unterstützt das UBA2) Maßnahmen zum Wassersparen – auch in den Haushalten. Sorgsamer Umgang mit Wasser bedeutet mittel- und langfristig das Anpassen der Leitungs- und Kanalsysteme; kurzfristig erfordert er eine Fokussierung von Spülmaßnahmen dort, wo sie tatsächlich notwendig sind. Die Fachleute der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung können dies aus unserer Sicht gezielt und erfolgreich durchführen. Wassereinsparungen haben auch im Sanitärbereich Vorrang, also auch bei Toilettenspülungen, allerdings mit folgenden Einschränkungen: die Schwemmkanalisation ist eine hygienische Errungenschaft, die erheblich zur Gesundheit der Bevölkerung beigetragen hat und beiträgt. Deshalb sind in diesem Bereich Innovationen immer auch unter dem Hygiene-Aspekt auf den Prüfstand zu stellen auch von anfallenden Feststoffen. Wassersparen ist möglich, in dem Grauwasser zur Toilettenspülung genutzt wird, also gering verschmutztes Abwasser, beispielsweise von Dusche oder Waschmaschine sowie Niederschlagswasser. Das erfordert aber Umbauten im häuslichen mit entsprechendem Ressourceneinsatz (zweites Leitungsnetz). Das kann man bei Neubauten einfacher realisieren als im Bestand. Dabei sind unbedingt sog. „Kurzschlüsse“ mit den Trinkwasserleitungen zu verhindern und eine regelmäßige Wartung der Anlagen sicherzustellen.

Häufig werden Komposttoiletten mit dem Ziel im eigenen Garten zu kompostieren eingesetzt. Im privaten (Schrebergarten) Bereich befinden sich die Komposttoiletten in einer Grauzone: Wenn die Toilette und der Garten nur von einem bekannten, begrenzten und gesunden Personenkreis benutzt wird (z.B. nur innerhalb der Familie, keine Durchfallerkrankungen, keine Wurminfektionen), besteht kein erhöhtes Infektionsrisiko bei der Verwendung von gelagertem und kompostierten Toiletteninhalt, da keine Krankheitserreger in erhöhten Konzentrationen in den Kompost gelangen. Trotzdem sollte der Kompost aus Vorsorgegründen nicht für Gemüse oder bodennahe Obstkulturen verwendet werden. Wenn die Gefahr besteht, dass Krankheitserreger in höheren Konzentrationen eingetragen werden könnten z.B. dadurch dass die Toilette von einem wechselnden Personenkreis oder von infizierten bzw. erkrankten Personen benutzt wird, müssen Vorkehrungen getroffen werden, um ein erhöhtes Infektionsrisiko insbesondere hinsichtlich Viren und Wurmeiern zu vermeiden. Die Verwendung von Komposttoiletten im öffentlichen Bereich ist problematisch, da nach den abfallrechtlichen Bestimmungen eine bodenbezogene Verwertung, beispielsweise als Düngemittel oder Bodenverbesserer, von in sog. Kompost-/ Trockentoiletten getrennt erfassten menschlichen Exkrementen nicht zulässig ist. Eine solche Verwertung ist weder ordnungsgemäß noch schadlos i. S. d. § 7 Absatz 3 Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). Daher ist abfallrechtlich daher nur eine Beseitigung der in Komposttoiletten getrennt oder nicht getrennt erfassten Fest- und Flüssiganteile menschlicher Fäkalien (z. B. in einer MVA; jedoch nicht über die Restmülltonne) oder die Zuführung zu einer Abwasseranlage (entweder über Abholung mit Absaugwagen oder Anlieferung an der Kläranlage) zulässig.

Ebenfalls in einer rechtlichen Grauzone, üblicher Weise aber von den Entsorgern toleriert, liegt die Entsorgung kleiner Mengen fester Komposttoiletteninhalte über die Restmülltonne analog zu Windeln etc.

Antwort der Stadt Mannheim

Auf meine Anfrage schrieb die Stadt Mannheim (meine Fragen sind in kursiv enthalten):

Grundsätzlich kann getrockneter Kot über den Restmüll entsorgt werden, solange es keine Probleme bei der Sammlung (Geruch) in den Restmüllbehältern gibt. Aber davon ist bei getrocknetem Kot ja auch nicht auszugehen. Die Müllverwertungsanlage hat jedenfalls kein Problem damit.

Ich glaube, Sie fragen vor dem Hintergrund, das klassische WC durch Trockentoiletten zu ersetzen. Das macht in dicht bebauten Gebieten mit Kanalanschluss wenig Sinn. Vielmehr geht es um den Ersatz von Chemietoiletten beim Camping oder in Ferienhäusern und Gartengrundstücken usw. ohne Kanalanschluss. Trockentoiletten sollen Kreisläufe schließen, indem der Kot (lange) kompostiert wird und dann in der Natur / Landwirtschaft ausgebracht wird, ähnlich wie bei Mist oder Gülle. Dafür muss natürlich Fläche vorhanden sein. Ob es einen ökologischen Gesamtvergleich WC gegenüber Trockentoilette gibt, wissen wir leider nicht.

Die Bundesgütegemeinschaft Kompost hat auf ihrer Homepage einen Link zu einem Buch über Komposttoiletten, der für Sie interessant sein könnte:

kompost.de

(1) Wenn ich zukünftig weniger Abwasser einleite, werden dann die Rohre im Haus noch ausreichend gespült? Oder könnten hier Probleme auftreten?

Dazu kann die Stadtentwässerung Mannheim keine Erfahrungswerte nennen. Grundsätzlich werden die Rohre dann einfach weniger genutzt.

(2) Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass die Stadtentwässerungen der Städte manchmal die Abwasserrohre spülen müssen, weil die Haushalte weniger Wasser als früher einleiten. Stimmt das? Könnten also auch der Stadt Probleme entstehen, wenn viele Haushalte Wasser einsparen würden? Könnte es dann dazu kommen, dass das gesparte Wasser für Spülungen wieder „aufgebraucht“ wird?

Mit der Toilettenspülung werden die Ausscheidungen und Toilettenpapier über den Hausanschluss in die Kanalisation befördert. Wird nun sehr wenig Wasser zur Spülung benutzt, so kann es dazu kommen, dass die Ausscheidungen nicht gründlich weggespült werden. Zusätzlich kommt es zu einem Sand- und Laubeintrag über die Regeneinläufe von den Straßen bei Regenereignissen. Dann kann es zu Ablagerungen im Kanal und damit zu Geruchsbelästigungen kommen. Oft werden dann die Spülfahrzeuge der Stadt eingesetzt, um Kanäle nachträglich zu spülen. So können Ablagerungen beseitigt werden. Dafür nutzen die Spülfahrzeuge hauptsächlich Frischwasser. Die Stadtentwässerung Mannheim versucht auch hier Wasser zu sparen und hat drei Spülfahrzeuge mit einer Spezialvorrichtung ausgestattet, mit der sie Abwasser aus dem Kanal ansaugen und filtern können, um damit die Rohre zu reinigen. So kann das Frischwasser gespart werden.

Würden jedoch die menschlichen Ausscheidungen – vor allem der Kot – im Abwasser fehlen, dann hätte das Folgen für die Abwasserreinigung im Klärwerk. Der Kot ist eine Quelle für den organischen Kohlenstoff welcher notwendig ist, um andere Nährstoffparameter wie den gebundenen Stickstoff in der Kläranlage zu entfernen. Fehlt dieser organische Kohlenstoff müssen die Reinigungsprozesse in der Kläranlage verändert werden. So müssten organische Stoffe wie Alkohole, Zuckerreste, usw. zudosiert (beschafft) werden, um den vorgeschriebenen Stickstoffabbau im Abwasser sicher zu gewährleisten. Dies ginge mit höheren Reinigungskosten und einem größeren CO2 – Fußabdruck einher.

Antwort des Bundesministerium für Gesundheit

Auf meine Anfrage leitete das Bundesministerium für Gesundheit meine Anfrage an das Umweltbundesamt weiter. Hier die Antwort den Umweltbundesamtes:

Die hygienische Wirkung des Händewaschens ist bei Wiederverwendung des Wassers nicht vergleichbar mit dem Händewaschen mit frischem Wasser. Wenn Wasser zum Händewaschen verwendet wird muss es Trinkwasserqualität haben. Bei der Wiederverwendung von Wasser ist das nicht der Fall. Dass selbstverständlich immer Seife benutzt werden sollte ist unter Hygienikern unumstritten. Weitere Informationen und eine Übersicht über weiterführende Angebote finden Sie unter

rki.de

Zu Ihrer zweiten Frage muss ich Sie an Ihr zuständiges Entsorgungsunternehmen verweisen. Nach meiner Kenntnis ist die Entsorgung von Urin und Fäkalien über den Restmüll nicht so ohne weiteres möglich. Möglich ist die Bereitstellung entsprechender Toiletten durch die einschlägig bekannten Firmen. In diesen Fällen werden die Fäkalien durch diese Unternehmen mit dafür genehmigten Einrichtungen entsorgt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Hygienestandard bei der Benutzung von mobilen Toiletten nicht vergleichbar ist mit dem Hygienestandard bei der Nutzung eines WC mit Wasserspülung und Handwaschbecken mit Trinkwasser, Seife und Einrichtungen zum Abtrocknen der Hände, von den Kosten für die Bereitstellung von mobilen Toiletten und Entsorgung der Fäkalien ganz abgesehen.

Dank / Urheberrechtsangaben

Musik: Gerd (Eylsis) Raudenbusch

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1)
Aussprache Mai Thi Nguyen-Kim: ma͜itiː nyːənʹkɪm
2)
UBA = Umweltbundesamt
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